Tatsächlich ein Monster? – Der Brutalismus

Wie gefährlich ist ein Monster, das um Hilfe schreit? Sollte man sich seiner erbarmen, ihm Hilfe gewähren? Bleibt es nicht auf Ewig Monster und sollte man es daher nicht lieber seinem Schicksal überlassen?

Sein Schicksal hieße in vorliegendem Fall: Abriss. Denn die Monster, um die es geht, sind die großen Betonbauten aus den 50er bis späten 70er Jahren. Sie werden dem Brutalismus zugeschlagen, einer Wortschöpfung, die sich dem Baumaterial verdankt, dem béton-brut, der auch oft von Le Corbusier verwendet wurde. Das Rohe, Unbearbeitet, eben das „brut“ ist das Kennzeichen dieses Baustils.   Ästhetisch nicht mehr en vogue, um es milde zu formulieren,  entledigen sich die Städte nach und nach der großen Betongebäude. „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“ heißt daher eine aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Mit vielen Fotos und Brutalismusbauten im Miniaturformat lädt sie zu einem neuen Blick auf diese lange verpönte Architektur ein. Es ist ein Rehabilitationsversuch. Verdienen diese Gebäude unsere Verachtung oder nicht doch unser Interesse, ja gar unsere Wertschätzung? Hat uns die Geschichte der bildenden Künste, der Literatur, der Musik und auch der Architektur nicht eine ästhetische Offenheit gelehrt, eine Bereitschaft, vielfältige Ausdrucksformen zu akzeptieren?

Es ist diese Haltung, mit der man den Brutalismus betrachten sollte, dessen rohe, ungeschlachte „Betonmonster“ mit ihrer irritierende Oberfläche und schmutzigen Reinheit immer noch eine Provokation darstellen. Jedoch, könnte man fragen: Haben sie nicht gerade in einer Zeit ihre Berechtigung, die Komplexitätsreduzierung und schreckliche Vereinfacher willkommen heißt? Ist dieses Monster am Ende gar nicht böse?

 

Kategorien