Urbanisierung – neue Wohnkonzepte als Folge

Stadtluft statt Landluft – das liegt schon lange im Trend. Doch die Urbanisierung bringt auch Folgen mit sich, denn durch das Bevölkerungswachstum in der Stadt, wächst auch die Wohnungsnot. Dichtere Bebauung und engeres Zusammenwohnen sind kaum mehr zu vermeiden.

Die maximal effektive Ausnutzung des Wohnraumes findet seinen Ursprung in den 1990er Jahren in den USA. Dort trat der Begriff „Tiny House Movement“ erstmals auf – und entwickelt sich seither immens weiter. „Tiny House Movement“ ist eine gesellschaftliche Bewegung, die das private Leben in kleinen Häusern propagiert und gleichzeitig zu großen Gemeinschaftsräumen tendiert. Ein Phänomen, das sich längerfristig auf das innerstädtische Wohnen auf Zeit ausweitet.

© Team7

Ein einziger Lebensraum

Wohn-, Koch- und Essbereich lassen sich heutzutage durch flexible und vielfältig einsetzbare Möbel in einem einzigen Lebensraum zusammenfassen. Dabei definiert sich die Küche nicht mehr als geschlossener Arbeitsbereich für Hausfrau und Mutter, sondern wird zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Familie oder der Wohngemeinschaft.

Die Individualität jedes Einzelnen bleibt erhalten und wird in den eigenen vier Wänden zum Ausdruck gebracht – mit verschiedenen Farben und Materialien. Besonders bei platzsparenden und individuellen Raumlösungen haben Einzelanfertigungen einen hohen Stellenwert, um den eigenen Charakter in vollen Zügen ausleben zu können. Ergänzt wird die Privatsphäre mit den Habseligkeiten aus aller Welt, die sich im Laufe der Jahre ansammeln.

Kontraste – Die Farbwelt 2019

Farben lenken nicht nur unsere Wahrnehmung. Sie verführen, reizen, inspirieren und strahlen gleichzeitig Ruhe aus.  Kurzum – Farben transportieren die unterschiedlichsten Gefühle und Informationen und ermöglichen eine besondere Verbindung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Dies liegt zum einen an der psychologischen und zum anderen an der symbolischen Wirkung einer Farbe, die ihren Ursprung in unseren Erfahrungen haben. Daher verwundert es nicht, dass sich Farbtrends im Wohn- und Architekturbereich an gesellschaftlichen Strömungen orientieren und von Designern adaptiert werden.  

Die Tendenz zu konträren Farb-Spektren

Alles in unserem Leben hat eine Farbe und mit ihr geht eine Bedeutung einher und die Farbwelt hat sich über die Jahre hinweg gewandelt. Sie geht nun weit über die reine Unterscheidung zwischen Essbaren und Ungenießbaren, Sicherheit und Gefahr hinaus. Farblich harmonisch auf verschiedene Wirkungen abgestimmt, kommunizieren wir durch die Farbwahl unserer Kleidung, Möbel und in anderen Lebensbereichen. Dabei lassen sich Modedesigner und Möbelhersteller durch die Farbpaletten des Pantone Color Institute, das Beratungsunternehmen für die Farbe des Jahres, inspirieren. Diese hat 72 Farben in acht Farbpalletten bestimmt, die 2019 Trend sein werden. Hervorgehoben werden dabei die  Paletten “Cravings” und “Classico”, die insbesondere durch ihren Gegensatz zueinander ins Auge fallen.

Anregend und elegant

Leuchtende Möbel, die die Geschmacksknospen anregen – die Farbwelt 2019 wird saftig. Dabei finden sich in den Schattierungen von „Cravings“ saftige Rottöne, Pupur sowie Flamingoorange wieder, die durch warme Cappucinofarben und Tönen in Grasgrün gemildert werden.

Die Farbpallette „Classico“ ist, wie der Name bereits verrät, eleganter gehalten. Helle Farbspektren wie Kamelfarben und Schwanenweiß paaren sich hierin mit Grauen Flanell sowie Burgunder-Rot, Kaviar-Schwarz und Seegrün – eine harmonische Farbpalette, die ebenso das Auge anspricht.

© Wittmann

Wahrnehmung von Räumen und Möbeln 2018/2019

Gleichzeitig ist eine Trendänderung in Hinblick auf die Wahrnehmung und Präsentation von Räumen und Möbeln erkennbar, der sich an dem Megatrend Neo-Ökologie orientiert: Green Living und der wieder entdeckte Boho-Stil halten minimalistisch zu Hause Einzug.

Ob stehend oder hängend – in unterschiedlichen Varianten werden Sukkulenten, Farne oder Kakteen sowohl drinnen als auch draußen präsentiert. Stilvoll im Wohnbereich umgesetzt in einfachen Pflanzentöpfen mit Füßen, Blumenampeln oder Vasen bringen sie ein natürlich grünes Feeling mit sich. Ebenso setzt auch der Boho-Stil auf natürliche Materialien, Farben und Accessoires, die aus ressourcenschonender Produktion stammen: Ein Mustermix aus erdigen Farben mit Massivholzmöbeln sowie ausgefallenen Teppichkreationen. Dabei zunehmend minimalistisch wird beim Trend Perfect Home auf reduzierte Präsentationsfläche gesetzt – ein Trend, der sich vor allem an Lifestyle-Magazinen orientiert.

Nachhaltiges Wohnen auf hohem Niveau – Ressourcenschonend leicht gemacht

Grün leben liegt im Trend – immer mehr achten wir auf die Art und Weise der Herstellung von Konsumgütern, deren Entsorgung und die faire Bezahlung der Arbeiter. Dabei hält das dahinter stehende Konzept von Nachhaltigkeit ebenso in den eigenen vier Wänden Einzug. Hierzu gehört unter anderem unser Umgang mit alltäglich benötigten Ressourcen, wie die Wahl eines in unserem Sinne verarbeiteten Nahrungsmittels. Ebenso ermöglichen umweltfreundlich produzierte Möbel aber auch ressourcenschonende Bauweisen grünes Wohnen auf hohem Niveau.

Vor allem Möbel, Textilien und Wohnaccessoires, die qualitativ hochwertig und zeitlos im Design sind, bieten die Möglichkeit im Einklang mit der Natur auch in den eigenen vier Wänden zu sein. Wie ein langlebiges Modell aussehen kann, zeigt sich beispielsweise bei Team 7. Hier werden ausschließlich regionale Laubhölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft verarbeitet, die mit reinem Naturöl veredelt werden. Dieses beständige Design wird in ihrer Kindermöbelreihe deutlich. So lässt sich das Gitterbett weiter als Kindersofa erweitern. Daran hat das Kind noch jahrelang Freude.

Upcycling die Möglichkeit zur Entfaltung von individuellen Wohndesigns

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Möbel seltener ersetzt werden müssen. Der neue Trend bringt aber auch Hobby-Bastler wieder zutage, denn sollte doch mal etwas zu Schaden kommen reicht eine einfache Reparatur oder Restaurierung statt einer teuren Neuanschaffung. Ebenso bietet das sogenannte Upcycling die Möglichkeit zur Entfaltung von individuellen Wohndesigns. Anstelle eines Neukaufs werden scheinbar nutzlose Gegenstände in neuwertige Produkte umgewandelt. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Sollten einem dennoch die ein oder andere Inspiration fehlen, der kann sich vom HANDMADE Kultur Magazin neue Ideen im Bereich Wohnaccessoires holen. Gleichzeitig bieten kostenlose Do-It-Yourself Anleitungen auf Plattformen wie Pinterest originelle Ideen zum Nachmachen.

Dabei sollte man sich nicht vom üblichen Öko-Image, welches nachhaltigen Konsumgütern von je her anhaftet, abschrecken lassen. Ganz im Gegenteil: Messen wie die Internationale Möbelmesse Köln und die Salone del Mobile Milano zeigen, dass die Verbindung von Nachhaltigkeit und Design immer mehr an Bedeutung gewinnt und auch gefragt ist. Der ökologische Fußabdruck der Hersteller wird in Form von fairer Bezahlung der Mitarbeiter, kurzer Transportwege oder dem Anbau ökologischer Ressourcen möglichst klein gehalten.

Form Follows Feeling – Alles soll sich wie zuhause anfühlen

Egal, ob in der Arbeit, im Hotel oder auf Reisen, der neue Möbeltrend geht in Richtung Wohnlichkeit. Überall soll das Gefühl entstehen, man sei im eigenen Wohnzimmer. Bereits 1969 hat Hartmut Esslinger eine globale Design- und Strategiefirma gegründet, die dem Prinzip “Frog” folgt. So sollte Design nicht mehr steril und funktional sein, sondern eher Emotionen vermitteln. Dieses Prinzip zeigt sich nicht nur in den Möbeln und Gegenständen, sondern soll auch für Räume und Systeme gelten. Faktisch ein allumfassendes Konzept.

Bei zahlreichen Möbelherstellern fällt auf, dass sie gar nicht nachforschen, wie ihre Produkte verwendet werden, sobald sie den Verkaufsraum verlassen. Dabei ist es wichtig zu wissen, worauf Kunden Wert legen, um die Möbel an ihre Bedürfnisse anpassen zu können. Auch zahlreiche Architekten prüfen nach dem Einzug der Kunden nicht mehr, ob sie sich in ihrem neuen Heim wohlfühlen oder wie es eingerichtet worden ist. Sie legen den Fokus auf moderne Formen und Materialien, vernachlässigen aber das Grundgefühl, welches das Gebäude hinterlässt. Es gibt zwar inzwischen eine architektursoziologische Wellbeing-Forschung, aber wie Professor Bernd Wegener von der Humboldt-Universität beklagt: „Es gehört zum beruflichen Selbstverständnis der Architekten, dass sie immer schon wissen, was richtig ist und was den zukünftigen Nutzern von Gebäuden gefällt.“

Die Designerin Ilse Crawford sagt dazu, dass Designer erst am Ende eines Projekts hinzukommen würden, dabei müssten sie schon von Anfang an einbezogen werden. Sie sollen das Menschliche einbringen, die Wärme, die Geborgenheit, den Geschmack und das gute Gefühl. Das gehe beispielsweise durch ausbalancierte Materialien wie Backstein, Eiche, Marmor, Kork oder Wolle. Vor allem in Hotels fällt häufig auf, dass viel Wert auf Service gelegt wird, jedoch weniger auf Interaktion. Es gehe heute nicht hauptsächlich darum, wie teuer etwas ist, sondern wie es sich anfühlt, sagt auch der New Yorker Hotelier Ian Schrager. Die Menschen legen viel Wert darauf sich wie zu Hause zu fühlen, selbst wenn sie arbeiten oder auf Reisen gehen. Dabei soll es natürlich nicht exakt wie im eigenen Heim aussehen, sondern eher das Gefühl davon vermitteln.

Gelungen ist dies beispielsweise bei Starbucks, wo im Vorfeld eine Befragung durchgeführt wurde, was Kaffeetrinkern wirklich wichtig ist. Herausgekommen ist, dass weniger der Kaffee im Mittelpunkt steht, sondern, dass Konsumenten sich einen Platz der Entspannung wünschen, wo sie sich zugehörig fühlen. Die Architekten und Designer von Starbucks haben diese Umfrage ernst genommen und die Läden dahingehend gestaltet. Beispielsweise gibt es dort nur runde Tische, damit allein trinkende Kaffeeliebhaber sich nicht einsam fühlen. Denn an einem runden Tisch gibt es keine leeren Sitzplätze.

Ein weiteres gelungenes Beispiel im Bereich des Reisens ist das kleine Hotel im Norden von Stockholm, „Ett Hem“, was „Zu Hause“ bedeutet. Das 1910 errichtete Haus wurde von der Designerin Ilse Crawford und dem Architekten Anders Landström umgebaut. In den zwölf Zimmern inklusive eines kleinen Gartens fühlen sich Gäste außergewöhnlich wohl. Viele schwärmen von ihrem Aufenthalt und beschreiben ihn mitunter als die schönsten Tage ihres Lebens. Das könnte daran liegen, dass sich die Besitzerin Jeanette Mix sowie die Dekorateurin sehr viel Zeit bei der Erstellung eines Konzepts gelassen haben. Dabei konzentrierten sie sich ganz auf die Frage, wie man Gästen heutzutage besondere Wertschätzung entgegenbringen kann. Ihre Antwort darauf war ein Hotel, in dem die Gäste überall willkommen sind. Es gibt keinen Front- und Back-Office-Bereich, die Küche ist für jeden zugänglich und Auschecken können die Gäste da, wo es ihnen am besten passt. So fühlen sich Gäste eher wie Freunde oder Familie. Natürlich zeigt sich dieses Konzept auch im Design. Die Zimmer sind teils mit klassischen, teils mit modernen Möbeln eingerichtet, die die ideale Verbindung von Funktionalität zu Schönheit herstellen sollen.

Woher dieses Bedürfnis nach einem Zuhause weg vom Zuhause kommt, liegt vielleicht am ehesten an der Globalisierung. Menschen sind mittlerweile viel unterwegs, dabei sehnen sie sich auch an anderen Orten nach Geborgenheit. Deswegen zieht sich der Trend von „Form Follows Feeling“ auch ins Arbeitsleben. Zum einen sind Arbeitgeber sehr daran interessiert, den Arbeitsplatz möglichst wohnlich zu gestalten, sodass die Mitarbeiter auch gerne länger bleiben als nötig. Zum anderen wünschen die Arbeitnehmer sich eine angenehme Umgebung, in der sie täglich ihre Arbeitszeit verbringen. Dazu gehören nicht nur eine Küche mit Kaffeemaschine, sondern auch schön gestaltete Meetingräume, Ruhezonen mit Loungemöbeln, Pflanzen und weitere Extras, die den Anschein geben, man sei zu Hause und nicht in der Arbeit. Man soll sich wohlfühlen.

Unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Geborgenheit zieht sich somit durch alle Lebensbereiche. „Form Follows Feelings“ greift diesen Wunsch auf und ermöglicht als Designtrend eine neue Art des Wohnens, Arbeitens und Reisens.

Flexibel gegen die Anonymität

Es ist eine der auffälligsten Paradoxien der Großstadt: das Gefühl des Alleinseins inmitten von Menschen. Anstatt für eine Fülle an sozialen Beziehungen zu sorgen, scheinen die Menschenmassen den Kontakt zum Einzelnen zu verhindern: Man geht in der Menge unter. Die Anonymität in der großen Stadt ist bereits von Goethe beschrieben worden, wobei dieser sich in Neapel noch ihrer erfreut hat; der Soziologe und Philosoph Georg Simmel theoretisierte sie 1903 als einer der Ersten, wobei er sie eher negativ bewertete. Sie ist also mitnichten etwas Neues, aber zugleich gewinnt sie in einer zunehmend urbanisierten Welt stetig an Relevanz. Denn Verstädterung bedeutet nicht nur, dass es immer mehr Großstädte gibt, die die Ausmaße von Megastädten annehmen, sondern auch dass diese immer dichter bebaut und bewohnt werden. Höhere Dichte verstärkt aber die Anonymität. Für viele Menschen stellt das ein Problem dar, vor allem wenn sie neu in eine Stadt ziehen.

Gerade Studenten haben zum Studium oft ihren Heimatort verlassen. Sie kommen häufig in Städte, in denen sie wenige oder niemanden kennen und wohnen regelmäßig in kleinen Wohnungen in großen Gebäuden. Auch die meiste Studentenwohnheime sind konstruiert wie gewöhnliche Mietshäuser: lange Flure, gesäumt von Türen, die zu Einzimmerappartements führen. Solche Strukturen sind prädestiniert, das Gefühl der Vereinsamung zu verstärken. „Sie verhindern die Identifikation mit dem Umfeld, begünstigen Vandalismus und können sogar zum Studienabbruch führen,“ so Moritz Fedkenheuer, Sozialwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Architekturfakultät der TU Darmstadt.

Um diesen Auswirkungen entgegenzuwirken, gibt es vermehrt Wohnprojekte, die mit Formen des gemeinschaftlichen Wohnens experimentieren. Über das Projekt „Cubity“ im Frankfurter Stadtteil Niederrad haben wir bereits berichtet. Kleinere private Räume werden hier kombiniert mit großen Gemeinschaftsflächen. Wie diese Flächen genutzt werden, ist dabei nicht festgelegt. Die Bewohner entscheiden selbst, was und wie lange sie es dort tun. Die Flächen können mit der Zeit eine andere Bestimmung erhalten. So wird aus dem gemeinschaftlichen auch ein flexibles Wohnen. Diese Art des Wohnens fördert, so wird man mutmaßen dürfen, die Gemeinschaftsbildung: Wer über die Gestaltung seiner Umgebung mitentscheiden kann, identifiziert sich stärker mit ihr und baut leichter Beziehungen zu seinen Mitbewohnern auf. Das Problem der Anonymität ist damit nicht gelöst, aber gemeinschaftliches Wohnen kann einen beruhigenden Kontrapunkt zur gesichtslosen Menschen­masse auf den Straßen der Großstadt setzen.

Wie die Wohnbedingungen aussehen müssen, damit gemeinschaftliches Wohnen diese Wirkung entfalten kann, untersucht jetzt das Projekt „Wohnformen. Vergleichende Untersuchung zu gemeinschaftlichen und individuellen Wohnbedürfnissen“, das von Professor Bernd Wegener und dem Frankfurter Architekten Hans Drexler geleitet wird. Gefördert wird es von dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft.

Das Forschungsvorhaben untersucht, welche Wohnformen und Architekturen die Anforderungen an gemeinschaftliches Wohnen erfüllen und zugleich zu einer hohen Nutzerzufriedenheit führen. Dabei sollen Wohnformen untersucht werden, die sich an der Differenzierung von studentischen Wohnheimen orientieren. Vier Typen werden unterschieden: A. Mikroapartments mit großen Gemeinschaftsflächen (z. B. Cubity), B. Wohngemeinschaft (WG) mit großen Gemeinschaftsflächen, C. Flurgemeinschaft mit gemeinschaftlich genutzten Funktionsräumen und D. Apartments (individua­lisiertes Wohnen). Ein Beispiel für den Typ B ist das Collegium Academicum in Heidelberg (s. Bild), ein studentisches Wohnheim in Wohngemeinschaftsform, das von der DJG Architektur GmbH, Frankfurt, geplant wird.

Die Grundrisse der zu untersuchenden Objekte unterscheiden sich in Bezug auf das Verhältnis zwischen privaten, halb-öffentlichen und öffentlichen Bereichen und die damit verbundene funktio­nale Differenzierung. Sie bieten die Möglichkeit, verschiedene Konzepte gemeinschaftlichen Wohnens im Hinblick auf ihren Flächenverbrauch (Suffizienz) und ihre soziale Nachhaltigkeit (Nutzerzufrieden­heit) zu vergleichen. In diesem Sinne ist die Forschung interdisziplinär. Sie hat einen sozialwissenschaftlichen und einen architektonischen Teil. Die sozialwissen­schaftliche Forschung untersucht das Zusammenwirken von Mensch und Wohnumgebung sowie die Interaktionen der Bewohner untereinander. Die architektonische Forschung beschreibt die Wohnumgebung in Zeichnungen und Abbildungen und leitet daraus übergreifende Aus­wertungen ab.

 

Einrichtungstrend Feng Shui

Der Jahresbeginn ist immer eine gute Zeit, um sich Gedanken zu machen: Was erwartet einen dieses Jahr, welche Möglichkeiten hat man vor sich, was kann man erreichen? Und natürlich ist das auch der geeignete Zeitpunkt, um sich auch zu fragen: Wie möchte ich wohnen, wie will ich mich einrichten?

Feng Shui bietet immer noch eine bedeutende Möglichkeit, Probleme der Inneneinrichtung zu begegnen und eine Vielzahl an Wohnbedürfnissen zu befriedigen. Welchen Einfluss Natur und Umwelt haben, ist eine Schlüsselfrage des 3500 Jahre alten Feng Shui, zu Deutsch „Wind und Wasser“.   Mit Feng Shui kann man ein Gleichgewicht in seine Einrichtung bringen, das sich direkt auf das Wohlbefinden auswirkt. Feng Shui ist dabei kein Stil, sondern eine Lehre und hat somit den Vorteil, dass man sich stilistische in keiner Weise beschränken muss. Ob man die skandinavische oder die französische Manier bevorzugt, Minimalismus oder Patchwork, es lässt sich stets mit Feng Shui kombinieren.

Keineswegs muss man also auf Gemütlichkeit verzichten, die gerade sehr angesagt ist. Polstermöbel etwa, die durch ihren Komfort optimale Entspannung garantieren, können so designt sein, dass sie Körper und Auge Ruhe gönnen. Auch Wohngesundheit und Nachhaltigkeit lassen sich mit Feng Shui vereinbaren. Kein Problem ist es also, seine Individualität auszuleben, worauf auch die Möbelhersteller immer stärker eingehen, um so ein optimales Wohngefühl zu ermöglichen: Sich selbst gestalterisch auszuleben, mit den persönlichsten und verrücktesten Ideen, und zugleich seine Mitte nicht zu verlieren.

Tatsächlich ein Monster? – Der Brutalismus

Wie gefährlich ist ein Monster, das um Hilfe schreit? Sollte man sich seiner erbarmen, ihm Hilfe gewähren? Bleibt es nicht auf Ewig Monster und sollte man es daher nicht lieber seinem Schicksal überlassen?

Sein Schicksal hieße in vorliegendem Fall: Abriss. Denn die Monster, um die es geht, sind die großen Betonbauten aus den 50er bis späten 70er Jahren. Sie werden dem Brutalismus zugeschlagen, einer Wortschöpfung, die sich dem Baumaterial verdankt, dem béton-brut, der auch oft von Le Corbusier verwendet wurde. Das Rohe, Unbearbeitet, eben das „brut“ ist das Kennzeichen dieses Baustils.   Ästhetisch nicht mehr en vogue, um es milde zu formulieren,  entledigen sich die Städte nach und nach der großen Betongebäude. „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“ heißt daher eine aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Mit vielen Fotos und Brutalismusbauten im Miniaturformat lädt sie zu einem neuen Blick auf diese lange verpönte Architektur ein. Es ist ein Rehabilitationsversuch. Verdienen diese Gebäude unsere Verachtung oder nicht doch unser Interesse, ja gar unsere Wertschätzung? Hat uns die Geschichte der bildenden Künste, der Literatur, der Musik und auch der Architektur nicht eine ästhetische Offenheit gelehrt, eine Bereitschaft, vielfältige Ausdrucksformen zu akzeptieren?

Es ist diese Haltung, mit der man den Brutalismus betrachten sollte, dessen rohe, ungeschlachte „Betonmonster“ mit ihrer irritierende Oberfläche und schmutzigen Reinheit immer noch eine Provokation darstellen. Jedoch, könnte man fragen: Haben sie nicht gerade in einer Zeit ihre Berechtigung, die Komplexitätsreduzierung und schreckliche Vereinfacher willkommen heißt? Ist dieses Monster am Ende gar nicht böse?

 

Knapp und teuer: studentischer Wohnraum

Zu Beginn des Semesters häufen sich die üblichen Berichte über das übliche Bild: Bezahlbarer Wohnraum für Studenten ist knapp, erst recht, und das ist die Krux, in Studentenstädten. Das ist nichts Neues, doch was Jahr für Jahr neu ist, sind die Mieten: sie steigen kontinuierlich. In welchem Maße, das belegt nun eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln.

In dem vor einigen Jahren noch als Mietparadies bekanntem Berlin etwa sehen sich Studenten (und selbstverständlich auch alle anderen Mieter) Quadratmeterpreisen von mehr als 10 Euro gegenüber. Das ist freilich noch moderat gegenüber den Münchner Mieten: die Wirtschaftswissenschaftler erwarten, dass dort bald die 20 Euro-Grenze überschritten werden wird.

Die stetige Verteuerung des Wohnraums liegt freilich nicht nur an dessen Knappheit. Zunehmend möbliert vermietete Wohnungen treiben die Preise ebenfalls in die Höhe. Günstige Wohnungen gibt es vor allem auf dem „Klüngel-Markt“, auf dem Wohnungen ohne öffentliche Anzeigen vergeben werden. Studenten, die neu in eine Stadt kommen, haben hier naturgemäß wenig Chancen.

Neben Erleichterungen für Studenten – wie die Wohnheimplätze auf ein Jahr zu beschränken, um Neuankömmlingen einen festen Platz zusichern zu können, von dem aus sie ein Jahr suchen und die nötigen Kontakte sammeln können – empfehlen die Wissenschaftler vor allem einen Lösungsansatz: den Bau von Wohnungen. Dazu muss mehr Bauland bereitgestellt und die Bauämter mit mehr Personal ausgestattet werden, um die entsprechenden Anträge zügig zu bearbeiten. Es ist an der Politik, diese Vorschläge umzusetzen.

 

Immobil in der Immobilie – Die Deutsche Alterssurvey hat nach der Barrierefreiheit in deutschen Wohnungen gefragt

Die meisten Deutschen fühlen sich wohl in ihrem Zuhause. Das ist die die erfreuliche Nachricht, die sich aus der Deutschen Alterssurvey ergibt. Fast 90 Prozent sind zufrieden mit ihrer aktuellen Wohnsituation, da sage man noch, wir seien ein nörgeliges Volk. Gut ist freilich trotzdem nicht alles. Denn lediglich 3 Prozent der 40- bis 85-jährigen leben in einer barrierereduzierten Wohnung. Das bedeutet: beinahe jeder lebt mit Hindernissen, sei es innerhalb der Wohnung oder im Eingangsbereich. Treppenstufen oder höhere Türschwellen beschränken die Bewegungsfreiheit vor allem von Menschen, die auf Rollstühle oder Rollatoren angewiesen sind. Nur etwa 20 Prozent der Befragten gelangen ohne Stufen in ihre Wohnung und nur 40 Prozent können alle Zimmer stufenfrei erreichen.

Diese Probleme werden in einer alternden Gesellschaft häufiger auftreten. Aber werden sie sich auch in den Entwürfen der Architekten niederschlagen? Dass Barrierefreiheit immer noch nicht im Zentrum des architektonischen Denkens steht, zeigt ein Artikel im Magazin Detail: https://www.detail.de/artikel/gemeinsam-statt-einsam-belgisches-wohn-und-sozialzentrum-30034/. Das Wohn- und Sozialzentrum von architecten de vylder vinck taillieu und DRDH architects im belgischen Aarschot wird gelobt dafür, dass es keine „rein auf altersgerechte, funktionale Parameter“ gerichtete Architektur repräsentiere. Und so wichtig eine ansprechend Ästhetik auch ist: sie nutzt nichts, wenn man sich in ihr nicht frei bewegen kann.

Cubity – Ein Wellbeing-Wohnexperiment

Seit Ende 2016 existiert im Frankfurter Stadtteil Niederrad ein Wohnheim der besonderen Art. Entworfen von 50 Studierenden der Technischen Universität Darmstadt beherbergt der 16 mal 16 Meter großen Kubus 12 Wohnwürfel mit jeweils 7,5 Quadratmetern, die sogenannten Cubes, die um einen „Marktplatz“ herum angeordnet sind und von jeweils einer Person bewohnt werden. Es handelt sich bei Cubity um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, an dem Architekten und Sozialwissenschaftler beteiligt sind, um die Auswirkungen auf das Wohlbefinden und den Wohnalltag beim gemeinschaftlichen Wohnen zu untersuchen.
Das Projekt kombiniert moderne Wohnbedürfnisse von Studierenden mit Fragen nach energieeffizienten Wohnlösungen. Die reduzierte Privatsphäre soll durch den großzügigen Gemeinschaftsbereich kompensiert, die Zufriedenheit und Wohnqualität so gesteigert werden. Schon jetzt lässt sich ein positiver Trend aus dem Projekt ablesen: Gemeinsames Wohnen ist durch die Senkung von Flächen- und Energieverbrauch pro Person nicht nur energie- und ressourcensparend, es trägt außerdem zu einer erhöhten Wohnzufriedenheit bei.

Cubity Solar Decathlon Europe TU Darmstadt

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